Jobsharing - und warum gerade alle darüber reden

zwei Frauen stehen lächelnd im Office

Warum Jobsharing?

Jobsharing ist ein Konzept, das zwei Teilzeitbeschäftigten die Möglichkeit bietet, sich eine Vollzeitstelle zu teilen. Das Besondere daran ist, dass die Aufgaben nicht einfach aufgeteilt werden, sondern dass beide Personen die gesamte Verantwortung für die Ziele und Inhalte der Position tragen.

48% der Frauen arbeiten in Österreich in Teilzeit, fast 11% von ihnen sind hochqualifizierte Akademikerinnen – ähnlich sehen die Statistiken auch in Deutschland und der Schweiz aus (DACH Raum). Der Arbeitsmarkt sucht verzweifelt nach qualifiziertem Personal – der Fachkräftemangel ist in aller Munde.

Jobsharing bietet die optimale Lösung für dieses Problem, indem es mehr Frauen ermöglicht, in hochrangigen Positionen auf Jobsharing-Basis wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten.

Für Mütter, die aus der Karenz zur Arbeit zurückkehren, bietet das Konzept unheimlich viel Chancen und Potentiale. Aber schon lange betrifft das Bedürfnis, weniger Stunden zu arbeiten, nicht mehr ausschließlich Mütter. Auch bei Gen Z, älteren Arbeitnehmern, Pflegenden etc. ist die Teilzeitarbeit stark in den Fokus gerückt. Jobsharing ist DAS Konzept, die Arbeitswelt ein wenig umzukrempeln und den Satz "arbeite, um zu leben – nicht lebe, um zu arbeiten" wirklich in die Praxis umzusetzen. Jobsharing ist ein großartiges Konzept, um eine erfolgreiche Karriere und ein glückliches, erfülltes Privatleben in Einklang zu bringen.

Hier sind einige Argumente aufgelistet, wie und warum Jobsharing den Arbeitsmarkt verändern wird.

5 Gründe für Jobsharing als Erfolgsmodell

 

1) Mehr hochqualifizierte Frauen im Arbeitsmarkt und in Führungspositionen

Die Zahl der hochqualifizierten Frauen, die derzeit in Teilzeit unter ihrem Bildungsniveau arbeiten, wurde nicht speziell erfasst. Im Falle von weiblichen Führungskräften ist es jedoch sehr oft der Fall, dass diese Frauen entweder keine Kinder haben oder innerhalb kurzer Zeit nach der Geburt wieder Vollzeitarbeit aufnehmen.** Sie tun dies, um ihre berufliche Entwicklung aufrechtzuerhalten und auch um die sogenannte „Motherhood Penalty“ (Bestrafung dafür, Kinder zu haben) zu vermeiden. Es ist weitgehend bekannt, dass Frauen mit Kindern weniger bezahlt bekommen und weniger gute Karrierechancen haben als Frauen ohne Kinder. Wer aufgrund von Teilzeitarbeit für einige Jahre aus dem Aufstiegsprozess im Beruf ausscheidet, hat kaum eine Chance, jemals das Level (Position und Bezahlung) von Menschen zu erreichen, die ohne Unterbrechung arbeiten. Dadurch verliert der Arbeitsmarkt unzählige fähige Talente, die mit der richtigen Unterstützung großes Potenzial freisetzen könnten.

Im Jobsharing können diese Teilzeitbeschäftigten unmittelbar nach der Elternzeit in ihren derzeitigen Positionen weiterarbeiten. Sie können ihre Karriere und Fähigkeiten weiterentwickeln und, wenn sie dies wünschen, später ohne Beeinträchtigung ihrer Karriere wieder in Vollzeit arbeiten. In vielen Fällen würde dies den "Karriereknick" verhindern, der Frauen daran hindert, ein höheres Gehalt zu verdienen. Somit würde dies unter anderem Altersarmut bis zu einem gewissen Grad vorbeugen - ein Problem, das Frauen 80% häufiger erleben als Männer.

Hinzu kommt eine größere Vielfalt/Diversität in den Führungsetagen, was nachweislich auch zu einer besseren und erfolgreicheren Performance der Unternehmen führt.

2) Mehr Männer können sich an der Kinderbetreuung beteiligen

Immer mehr Männer wollen sich intensiver an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Wenn Männer in Jobsharing-Modelle einsteigen, können sie ebenfalls ihre Positionen behalten, gleichzeitig aber ihre Arbeitszeit reduzieren. Das Prinzip gilt für Männer wie für Frauen gleichermaßen. Die weitere berufliche Entwicklung der Männer wird nicht behindert und es wird ihnen mehr Flexibilität für die Übernahme eines Teils der „Care Arbeit“ ermöglicht.

Umgekehrt können Frauen nach der Schwangerschaft wieder leichter in den Arbeitsmarkt einsteigen und vielleicht sogar ein paar Stunden mehr in Teilzeit arbeiten. Sie verdienen so mehr Geld und das Haushaltseinkommen wird erhöht. Obwohl die Männer oftmals mehr verdienen, so dass in Summe möglicherweise ein bisschen weniger Geld ins Haushaltskonto fließt, aber vor den Schwangerschaften ist die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen (Höhergebildete) bei weitem nicht so hoch wie nach der Karenz (Quelle: Damensache/Erwerbsbiographie).

Durch zusätzliche Betreuungszeit, die vom Vater übernommen wird, können Kinderbetreuungskosten gespart werden. Außerdem profitieren die Kinder davon, mehr Zeit mit beiden Elternteilen zu verbringen. Ganz zu schweigen davon, dass der Prozess zusätzlich dazu beitragen könnte, dass der „Gender Pay Gap“ verkleinert werden könnte.

 3) Wir brauchen #newleadership

Manager sind keine reinen operativen Führungskräfte mehr. Heute werden Coaching und Mentoring von Führungskräften eingefordert. Teammitglieder werden begleitet und nicht angewiesen. Wer das Beste aus seinen Mitarbeitern herausholt und sie weiterentwickeln kann, ist der neue Hero im Management. "Teams" als solche werden neu gedacht.

Die Menschen werden sich auch daran gewöhnen, mit zwei Chefs im Jobsharing (e.g. Shared Leadership oder Topsharing), mit zwei Innovationstreibern, mit zwei Ansprechpartnern umzugehen. Es besteht immerhin eine gute Chance, dass sie mit mindestens einem der beiden gut auskommen.

Jobsharing hebt Diversität auf eine ganz neue Ebene. Es verbindet Menschen mit den gleichen Werten und Einstellungen. Sie ermöglicht Innovation und Freiheit in der Arbeit.

4) Die Menschen haben mehr Zeit für ihre privaten Interessen oder für soziales Engagement

In Zeiten des Klimawandels und sozialer Unsicherheiten wünschen sich immer mehr Menschen, insbesondere die jüngere Generation, die sogenannte Gen Z, sinnvolle Arbeit. Sie wollen sich nicht nur persönlich engagieren, sondern auch für Unternehmen arbeiten, die zB für soziale Werte und Klimaschutz stehen. Jobsharing steht für bestimmte Werte, für Fortschritt, für Veränderung und verbreitet Aufbruchstimmung. Viele Studien und Experimente haben gezeigt, daß nicht nur die Zahl der Bewerber für hochqualifizierteTeilzeitstellen explodiert, sondern dass sich auch deutlich mehr Männer für diese Stellen bewerben. Mehr Zeit für das Privatleben und sonstige Interessen ist bei Gen Z sehr beliebt. Jobsharing würde auch ihnen die Freiheit geben, ihre Zeit in andere Leidenschaften zu investieren.

5) Arbeit wird in Zukunft neu definiert

Projektbezogenes Arbeiten liegt voll im Trend. In Zeiten von Home Office und immer mehr Flexibilität ist #workfromanywhere in allen Altersgruppen angekommen. Es gibt (fast) keinen Grund mehr, die ganze Zeit im Büro anwesend zu sein. Und noch weniger attraktiv scheint es zu sein, für immer bei einem Unternehmen zu bleiben. Heutzutage wollen Mitarbeiter (insbesondere Gen Z) ihre berufliche Laufbahn nicht mehr in nur einem Unternehmen absolvieren. Heute zählen Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen weit mehr als die "klassische" lineare Karriere.

Jobsharing bietet auch hier die Möglichkeit, an zwei Projekten oder in zwei Positionen gleichzeitig zu arbeiten. Auf diese Weise können Menschen ihre Fähigkeiten in mehreren Bereichen einbringen und so die Innovationskraft der lokalen Wirtschaft fördern. Auf diese Art und Weise können deutlich mehr Interessen abgedeckt und Bedürfnisse erfüllt werden, als es in nur einem Unternehmen möglich ist.

Hier geht es zu den Typen des Jobsharing. 

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